Jeder hat mit Vorträgen vor einer Gruppe schon persönliche Erfahrungen gesammelt, sei es in der Schule, Ausbildung, beruflich oder im Verein. Und die meisten von euch schaudert allein der Gedanke, freiwillig vor einer Gruppe zu stehen und Wissen zu vermitteln. Ich möchte ehrlich sein, leicht fällt mir das auch nicht, denn der größte Feind ist die Unsicherheit. Dennoch bekomme ich ganz oft die Rückmeldung, dass es so scheint, als ob mir das Referieren leicht fallen würde und aus diesem Grund schreibe ich euch heute diese Zeilen.

 

Im Frühjahr wurde ich als Referentin für VIKING gebucht, die ein großes Bloggertreffen organisiert haben

Nach zahlreichen Kursen und auch privaten Vorträgen, die ich bisher in meinem Leben halten durfte, kann ich heute einige Tipps weitergeben. Ratschläge, die mir die Angst nehmen und den Tag am Ende gelingen lassen. Zu meinen größten Herausforderungen bezüglich Vorträgen gehören Bloggertreffen wie z.B. das von VIKING organisierte Treffen im Karlsons, Hamburg, denn mehrere Faktoren können das Sprechen erschweren. So ist meist der Fall, dass die geladenen Gäste nicht wegen dem speziellen Kurs da sind, sondern wegen dem Gastgeber und dem Netzwerkgedanke, was ja schön ist, aber sicher könnt ihr nachvollziehen, dass das Interesse anders ist, als bei Teilnehmern, die sich den Kurs eigens gebucht haben. Zudem steigt natürlich meine Nervosität enorm, wenn ich weiß, dass bekannte Gesichter unter meinem Publikum sitzen und so kommt es, dass mir ganz schön warm ums Herz wird – vor Aufregung versteht sich.

Was also tun?

1. AUTHENTISCH SEIN

Das sind so schöne Floskelworte. Aber hier sind sie einfach nur wichtig und angebracht. Jeder sieht, wie es Dir geht, höchstens Du bist ein fantastischer Schauspieler und etwas vorzutäuschen, z.B. die Selbstsicherheit, geht meist daneben. Spreche die Dinge an, die Dich bewegen z.B. „Das ist mein erster Vortrag seit Langem, entschuldigt, wenn ich stottere und Hitzeflecken bekomme!“ oder „Bei all den bekannten und talentierten Persönlichkeiten hier, kann ich ja eigentlich einpacken.“ Die Stimmung ab dem Moment war gelöst und gut. Verstecke Dich und Deine Persönlichkeit nicht hinter auswendig gelernten Sätzen und einem schicken Outfit, sondern erzähle, was Dich bewegt, warum Du als Person heute hier stehst und was Dich antreibt. Nichts ist langweiliger, als ein weiterer langweiliger Vortrag, der auch von einer CD abgespielt werden könnte. Auch ein Grund, warum ich mich dazu entschieden habe, meinen schwäbischen Dialekt nicht mehr verstecken zu müssen, denn es verunsichert mich, künstlich hochdeutsch reden zu müssen.

Kalligrafiekurs in Hamburg
Der Moment, bevor der Kurs beginnt … alle sind erwartungsvoll und schauen Dich an!

2. HALT FINDEN – HALT GEBEN

Das ist meine Geheimwaffe. Ich finde Halt während dem Vortrag, indem ich buchstäblich etwas festhalte, einen Stift, eine Karte, eine Feder oder eine Kalligrafieanfertigung. So sind wir schon zu zweit, die den Vortrag halten, und alles wirkt für mich natürlicher, denn meine Hände müssen keine seltsamen Posen machen. Was für mich gilt, gilt auch für die Zuhörer. Je mehr Dinge gehalten, herumgereicht und mit den Sinnen erlebt werden können, desto größer ist die Aufmerksamkeit im Publikum. Bereite immer zahlreiche Beispiele und Vorführmaterialien vor, die betrachtet werden können, wenn es möglich ist. Ein Vortrag muss nämlich nicht nur über Augen und Ohren erfahren werden. Die Augen bleiben auf diese Weise auch nicht nur auf Deiner Person stehen, was die Unsicherheit ja nur noch verstärkt.

Bloggertreffen Hamburg Kalligrafiekurs

Bloggertreffen Hamburg, Viking

 

3. BEDÜRFNISSE HABEN VORRANG

Welches Bedürfnis haben Deine Zuhörer? Ist es heiß, die Musik zu laut, befinden wir uns gerade im Mittagsloch, stört ein Telefonat oder die Tatsache, dass etwas fehlt? Wenn Du in Deinen eigenen Gedanken gerade sehr abgelenkt bist von einer Sache oder Du bemerkst, dass die Gruppe ein wichtiges Bedürfnis hat, dann übergehe dies nicht, denn der ganze Vortrag würde nur darunter leiden. Sprich das Bedürfnis an und mache zur Not eine kleine Unterbrechung um die Störung zu lösen.

Kalligrafie lernen

 

4. DU BIST DIE LÖSUNG FÜR EIN PROBLEM

Was hört sich besser an: „Ich muss heute einen Vortrag halten!“, oder „Heute darf ich meinen Zuhörern eine Hilfe sein für ein bestimmtes Problem!“ Diese Denkweise hat mich schon oft gerettet, denn am Ende geht es bei einem Kurs ja darum, den Teilnehmern eine Hilfe zu sein. Ich lehre eine Fähigkeit (Das Schreiben mit der Feder), die dazu führt, dass wieder mehr romantische Briefe und persönliche Karten geschrieben werden. Der richtige Umgang mit der Feder erleichtert es meinen Zuhörern, mit wenigen Hilfsmitteln ein exklusives Produkt herstellen zu können, welches beim Betrachten viele Emotionen auslöst. Dein Wissen verändert Leben. Vielleicht nur im Kleinen, aber das ist Fakt. Du brauchst Dich nicht zu verstecken, wenn Du doch weißt, dass Du Deinen Teilnehmern eine wertvolle Bereicherung bist. Ob mit zittriger Stimme und/ oder weichen Knien, Du bist ein kostbarer Wissensvermittler – sonst würdest Du den Vortrag nicht halten.

Mit der Feder schreiben

 

5. DIE ATMOSPHÄRE IST DEIN STILLER HELFER

Genauso, wie es einen Unterschied macht, ob eine gewisse unangenehme Person sich im Raum befindet oder nicht, entscheiden auch andere kleine Dinge darüber, wie Du wahrgenommen wirst und wie der Tag allgemein erlebt wird. Dies beginnt mit der Kommunikation im Vorfeld und endet bei der letzten Verabschiedung. Wenn Du sorgfältig studierst, was allgemein zu einer angenehmen Atmosphäre im Raum führt (Musik, Temperatur, Duft, Dekoration, Organisation), dann hast Du schon wesentlich einfachere Voraussetzungen, als wenn Du diese grundlegenden Dinge übergehst. Auch hier gilt: Setze Dich nicht unter Druck, alles perfekt machen zu wollen, denn dieser Druck verkrampft Dich nur unnötig. Aber untersuche spielerisch, mit welchen einfachen Mitteln Du die Situation im Vorfeld besser gestalten kannst und lerne bei jedem Vortrag dazu.

Kalligrafie Workshop

 

Meine Vorträge sind sicher nicht perfekt, aber das sollen sie auch nicht sein. Ich möchte meine Leidenschaft weitergeben und dabei „Ich selbst“ sein dürfen. Ich denke, wenn wir aufmerksam durch diese Herausforderungen gehen und lernen wollen, es besser zu machen, dann wird es auch gelingen.

Verstecke Dich nicht! Du hast der Welt etwas zu geben und ich bin sehr dankbar, wenn ich Dir auf Deinem Weg ein kleiner Cheerleader sein darf!

Alles Liebe und bis bald,
Deine Jeannette

Credits Bilder: alinea.design

Raum: Das skandinavische Café KARLSONS, Hamburg

Veranstalter: Viking.de

Mehr Bilder findest Du im Netz unter dem Hashtag #DIYmitViking

 

2 thoughts on “5 Erfahrungen, die Dir das Sprechen vor einer Gruppe erleichtern”

  1. Dein Artikel kommt wie gerufen.. es geht zwar nicht um ein „echtes“ Reden vor einer großen Gruppe.. aber vieles lässt sich auch auf ein Livestream übertragen, vor dem ich mich extrem drücke.. ich danke Dir!!

    1. Oh ja, da sagts Du was. Ich habe auch einmal bei einem Livestream gesprochen und von der Aufregung her schenkt es sich da nichts 🙂 Vielen lieben Dank für den netten Kommentar und allen erfolg bei Deinen Projekten. Deine Jeannette

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