Beginne mit dem, was Du hast

Warum nur scheint das Anfangen so schwer und unmöglich? Wieso fühle ich mich so miserabel, wenn ich an meine Talente denke und an die paar ‚Werkzeuge‘ die mir für den Start zur Verfügung stehen? Glaube nicht, dass es mir anders geht als Dir! Selbst in dem Stadium in dem ich mich gerade in meinem Geschäft befinde, überkommen mich diese Gefühle täglich.

Anfangen ist so unsexy.

Ich persönlich bewundere „Finisher“, Menschen die etwas Großes vollendet haben und sich lange und intensiv einer besonderen Sache hingaben. Aber anfangen? Mensch, das hat nichts glamouröses. Vielleicht in einer Liebesbeziehung, da wird der Anfang auf ein hohes Podest gestellt und Frauen und Männer rennen der Idee hinterher, dass es so sein muss wie in den ersten Tagen der Beziehung. Hilfe!!! Nicht bei uns. Diese Zeit möchte ich nicht wieder durchleben, denn Matthias und ich hatten mehr als eine Hürde im Weg, nenne es einen Hürdenlauf.

Ich beobachte, dass wir eine Generation sind, der überall erzählt wird „Du kannst es schaffen! Alles ist Dir möglich! Du bist etwas Besonderes! Lebe Deinen Traum!“. Ich erzähle das allen voran und bin auch davon überzeugt. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass zuviel Puder auf der Nase, die Sicht versperrt und es einigen von uns gut tun würde, ein paar Jahre an der Seite unserer Großeltern zu gehen. Ich würde im täglichen Umgang mit meiner Oma, die mit ihrem Mann und ihren kleinen Kindern geflüchtet ist und später viele Jahre in der Fabrik gearbeitet hat, feststellen, dass wir heute von Möglichkeiten umgeben sind, die damals unvorstellbar waren. Ohne Startkredit auf der Bank ein eigenes Geschäft als Frau zu eröffnen, war damals nicht vorstellbar. Nach mehreren Wochen harter Arbeit am Fließband oder auf dem Feld wäre es mir sicher schlichtweg egal, wie klein der Anfang wäre, hauptsache ich habe ein Funke Hoffnung auf eine Zukunft mit mehr Freiheiten. Ich würde voller Stolz anfangen und das Geschenk der Technik umarmen. Jede Stunde im Kämmerlein am Schreibtisch, jeder Eintrag in meinem Blog, jedes Schriftstück, das ich anfertigen würde, würde mich mit Freude erfüllen.

Unsere heutige Freiheit erschlägt uns aber regelrecht und weil wir täglich Beispiele von Stars und Sternchen sehen, die es ‚geschafft‘ haben, was immer das auch bedeuten mag, wollen wir das JETZT auch haben, deren Weg aber nicht mehr gehen. Zu anstrengend. Zu viel Entbehrung. Zu viel Scham, dass es noch nicht wie eine professionelle Firma aussieht. Lieber schreiben wir einen Traum geheim in unser Tagebuch (Was ja schon fortschrittlich ist, wer das tut!) und jammern, dass es so schwer ist: „Warum nur habe ich keine besseren Voraussetzungen?“

Ich möchte Dir etwas sagen. Niemals war es so einfach wie heute, aus einer kleinen Idee ein Geschäft zu gründen. Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem der Umbruch rasant stattfindet und alte Grundsätze wie „Geh zur Schule, lerne etwas Vernünftiges, gründe eine Familie, kaufe ein Haus“ kein Garant mehr sind für eine sichere Zukunft. Sicher scheint im Moment wenig und unsere Aufgabe ist es, Eigenverantwortung zu zeigen. Finanziell, beruflich, die Bildung betreffend etc.. Bei Gott zählt später nicht die Zahl an Followern oder die Größe einer Firma, davon bin ich überzeugt, sondern den Weg, den wir von A nach B im Glauben gegangen sind.

Er will sehen, dass wir Seine in uns wohnende Kraft der Veränderung aktiv anwenden. Er möchte durch uns scheinen.

Das beste Beispiel ist das Gleichnis mit den Talenten in Matthäus 25:

„Denn es ist wie bei einem Menschen, der außer Landes reisen wollte, seine Knechte rief und ihnen seine Güter übergab. Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eins, jedem nach seiner Kraft …

„Jedem nach seiner Kraft.“ Später lesen wir, dass die gelobt werden, die mit dem, was sie bekommen haben, (und jeder von uns hat ein Talent bekommen) Vermehrung bewirkten. Sauer wird der Verwalter an der Stelle, wo aus Furcht gar nichts mehr getan wurde und Talente aus Angst und Scham vergraben wurden.

‚Anfangen‘ erscheint wie ein Berg und ich möchte Dir 3 praktische Tipps geben, die mir persönlich aus dem Jammertal heraushelfen und mir Kraft schenken:

 

  1. Schlag Deine Unsicherheit mit Kontinuität. Jedes Mal, wenn ich etwas neues Anfange, verbaue ich mir den Weg, etwas zu vertiefen. Ich raube mir selbst die Chance, gut in einer bestimmten Sache zu werden und falle auf den Trick der Ablenkung herein. Die Kraft liegt darin, sich für etwas zu entscheiden, und daran kleben zu bleiben, wie ein Hund an seinem alten, zähen Knochen. Begib Dich in die Tiefe, lerne, lerne, lerne und gewinne Selbstwert, der nach einer Zeit beginnt zu entstehen, wenn Du Deiner Sache in Höhen und Tiefen treu geblieben bist. Mache nicht den Fehler und denke, wenn Du etwas Neues beginnen würdest, wäre alles einfacher. Ha! Niemals. Einfacher wird es, wenn Du an Weisheit zunimmst. Das ist ein Prozess.
  2. Hör auf, Erfolgsstories anzuhimmeln, sondern begib Dich auf die Suche nach Spuren in den Biographien der Menschen. Nur das Ergebnis anzuschauen, macht Dich krank. Du konsumierst viel zu einseitig und bekommst über kurz oder lang ein verzerrtes Bild. Dass SocialMedia für diesen Prozess nicht förderlich ist, wissen wir alle. Deswegen wirst Du nicht daran vorbeikommen, Bücher zu lesen. Ein Bild ist ein Bild. Eine Biographie deckt den ganzen Weg ab. Lies mehr und verstehe, welche Herausforderungen ganz normal sind als Unternehmer oder Traumverwirklicher. Wusstest Du, dass ich schon eimal mit einer Geschäftsidee gescheitert bin? Wusstest Du, dass ich einen Studienabbruch hinter mir habe und mich damals 2007 wie der größte Versager gefühlt habe? Wusstest Du, dass ich mit 20 aus einer engen Glaubensgemeinschaft ausgetreten bin und mit Gefühlen der Verdammung und Schuld zu kämpfen hatte? Fertige Bilder von Menschen dürften Dich nicht länger blenden, hörst Du? Geh in die Tiefe und lies die Geschichten, die davon berichten, wie Menschen ihre größten Herausforderungen überwunden haben.
  3. Kleine Häppchen. Anfangen scheint so schrecklich und unüberwindbar, weil wir mit großen, wuchtigen Ergebnissen konfrontiert sind. Wir sehen Messestände, Unternehmer mit Angestellten, hören große Umsatzzahlen, sehen tolle Produktverpackungen und vieles mehr. Dies blockiert uns, den ersten Schritt zu gehen, der vielleicht heißen würde, ein Flyer zu gestalten mit einer einfachen Preisliste und eine Mini-Bügelfirma zu gründen, die es Dir ermöglicht von zuhause etwas dazuzuverdienen. Kein großes Tam-Tam. Keine großen Startkosten. Pinterest ist voll von Tipps, wie man sich nett präsentiert, wenn man neu auf dem Markt ist und sowohl die Bildung als auch die Finanzen wären für Dich vorhanden. Überfordere Dich nicht selbst mit einer perfekten Internetseite, Deinem Instagramfeed oder einem Ziel, das Dich lähmt und freu Dich lieber, wenn Du einen Kunden die Woche hast, der glücklich ist. Du lernst so viel in diesem Prozess und bekommst die Zeit, Dich auf mehr Kunden vorzubereiten. Alles, was ich baue, soll auf festem Grund gebaut sein. Das ist mein Gebet. Das ist aber nur möglich, wenn ich mir selbst erlaube, gesund zu wachsen. Ich habe ein kleines Ziel, beiße mich daran fest wie ein Hund und vertraue darauf, dass Gott mich segnet, wenn ich mein ‚A‘ verlasse und auf mein ‚B‘ zugehe.

Ich freue mich, von Dir zu hören und bin Dein größter Fan,

Deine Jeannette

 

 

4 thoughts on “Beginne mit dem, was Du hast”

  1. Deine Worte haben mich tief berührt, liebe Jeannette. Danke!
    Du kannst so schön formulieren und hast mich mit deinen Worten sehr ermutigt.

    1. Liebe Mandy, was für eine liebe Rückmeldung auf den Post! Das ermutigt mich sehr! Liebe Grüße und einen schönen Sonntag heute, Deine Jeannette

  2. Meine allerliebste Jeannette,
    du hast eine unglaubliche Gabe, Worte auf Papier zu bringen oder wie hier in einen Blogpost.
    Es tat gerade so gut das zu lesen und ja du hast so Recht – wir haben es heutzutage wirklich leicht mit etwas anzufangen.
    Aber mir geht es da wie sovielen anderen – ich denke sooft „ach, hätte ich ne bessere kamera, hätte ich Photoshop, hätte ich bessere Fotohintergründe und könnte ich dies und jenes besser – DANN wäre auch alles besser“
    aber das ist nicht wahr – denn es kommt imer darauf an, was ich aus dem mache, was ich besitze.
    Danke dass du mich nochmal daran erinnert hast und danke für deine Worte <3
    Fühl dich ganz arg umarmt !
    Deine Dani

    1. Liebe Dani, das geht uns allen so, wie Du es beschreibst. Mein größter Ansporn ist es, all die Lähmung aufzulösen. Denn die Welt wäre um so vieles fader, wenn liebe Menschen wie Du nicht aktiv werden würden <3

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