Mein Weg als Christ Jesus Glaube Katholisch Evangelisch Kirche

Gestern sah ich wieder einmal eine Anzeige zum Vatertag in einem Werbeblättchen und fragte mich ernsthaft, ob jetzt Stück für Stück unsere wertvollen christlichen Feiertage durch weltliche Themen ersetzt werden.

Ich möchte den Anlass Christi Himmelfahrt nutzen, um ein wenig über meinen eigenen Glauben zu erzählen, wie ich zu meiner heutigen Ansicht gekommen bin, warum Jesus die Schlüsselfigur für mich wurde und warum für mich Glaube nicht gleichzusetzen ist mit einer bestimmten Konfession oder dem Begriff Religion.

Zu diesem Thema erreichen mich fortwährend viele Fragen von euch, und ich empfinde es als großes Vorrecht, überhaupt offen über dieses sensible Thema schreiben zu dürfen, denn mir ist sehr wohl bewusst, dass der Glaube etwas sehr Persönliches ist. Ich stelle fest, dass sich viel mehr junge Frauen und Männer mit ihren Grundwerten und dem Thema Glauben auseinandersetzen als man denkt, aber die Meinungen dazu oft nur noch hinter vorgehaltener Hand diskutiert werden.

Der Drang nach Bestätigung um jeden Preis, die Furcht vor Ablehnung und der scheinbar ‚moderne‘ Zeitgeist „Tu, was Dir gefällt“, all diese Dinge halten uns davon ab, eine feste (und öffentlich gelebte) Meinung zu entwickeln, dabei sind es diese tief verankerten Werte, die den nötigen Halt schenken, nach dem alle so sehnsüchtig suchen.

Die heutige Zeit, die geprägt ist durch Individualismus und Selbstverwirklichung, präsentiert sich so chic, aber um ehrlich zu sein, ist sie nur noch eine leere Hülle ohne Inhalt. Mich wundert es nicht, dass so viele Menschen mit ihrer Identität kämpfen, mit der Frage nach dem Sinn des eigenen Handelns, wenn man den Bezug zu dem verloren hat, der einem das Leben schenkte, unserem Schöpfer.

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Die ersten 21 Jahre meines Lebens wuchs ich in einer strengen, religiösen Gemeinschaft auf, die sich zweimal die Woche zum Gottesdienst getroffen hat, zahlreiche Jugendaktivitäten anbot, in der ich meinen Freundeskreis hatte, mich in Chorproben an der Alt-Stimme versuchte (Ich liebe Chöre bis heute!), und dort das gesamte kirchliche ‚Paket‘ erfuhr und durchlebte. Ich begegnete dort Menschen wie meinem Opa, die ernsthaft eine Beziehung mit Gott pflegten, und ich erlebte Menschen wie mich, die einfach in die Kirche gingen, weil man es tat. Nie werde ich das Bild vergessen, wie mein Großvater abends kniend am Bett Gott für den Tag dankte und für uns betete. Diese Erfahrung brennt sich Dir als Kind tief ein. Ich zweifelte folglich nie daran, dass es Gott gab, aber um ehrlich zu sein, führte ich 21 Jahre lang keine echte Beziehung. Ich lebte religiös, kannte aber die Kraft Gottes nicht. Nennen wir es Sonntagschrist. Das trifft es ziemlich gut.

Diese Fassade hielt so lange Stand, bis mich die ersten Stürme meines Lebens erreichten und diese waren heftig. Vor mir lag ein Scherbenhaufen, und dieser kam so schnell, dass er mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Da stand ich nun 2007 mit abgebrochenen Studium, verlassen von meiner großen Liebe, mein Lieblingsopa lag im Sterben und in meinem Innersten tobten Fragen bezüglich unserer Kirche. Ich empfand alles als leer und ohne Antworten und zog mich aus der Gemeinschaft zurück (Was mit dem Kirchenaustritt endete), was für mich die Situation nur noch verschlimmerte, denn Gedanken der Verdammung kamen hinzu.

In meiner Orientierungslosigkeit suchte ich Halt in einem selbstgemachten Gottesbild, begeisterte mich für Ideen aus dem Buddhismus und beschäftigte mich immer mehr mit diesen Lehren. Der Anfang war auch mehr als verlockend: Alles ist Liebe. Alles ist Licht. Die Antwort schien so einfach. Doch je mehr ich  mich mit den Inhalten des Buddhismus auseinandersetzte, merkte ich, wie anstrengend das alles wurde. Es gab keine Vergebung und jeder Fehler, den ich machte, erschien mir wie ein weiterer Strich in meinem Buch des Lebens. Das Abmühen würde nie enden. Die Liebe, mit der ich angelockt wurde, fand ich dort nicht.

Ich wollte frei sein und war wieder gefangen in einer Lehre, die so viel von mir abverlangte. Es war zum Heulen und enttäuscht von diesen ganzen Religionen (In der Zeit ging mein Leben immer weiter abwärts) schrie ich zu Gott, dass wenn es Ihn denn wirklich geben sollte, Er sich mir bitte zeigt (Ein Gebet, das Er immer beantwortet!). Ich wollte nicht mehr, ICH konnte nicht mehr.

Und dann passierte das, womit ich als allerletztes gerechnet habe: Ich verstand zum allerersten Mal im Leben die Sache mit Jesus.

Gott wusste, dass wir es alleine nicht schaffen können. Dass der religiöse Geist (Errettet durch Taten) eine untragbare Last ist, und es eine bessere Lösung geben musste.

Ich verstand zum ersten Mal, dass Jesus der Schlüssel zur Freiheit war, denn Er hat es mir durch seinen Tod am Kreuz möglich gemacht, frei mit Gott selbst verwoben leben zu können (durch den Heiligen Geist, den Jesus an Pfingsten hinterlassen hat) – in einer unzertrennlichen Beziehung.

One way, Jesus. Jesus, der Weg.

All die Jahre dachte ich, ich sei Christ. All die Jahre habe ich es nicht verstanden.

In 21 Jahren Kirchenzeit konnte ich trotz Gottesdienstbesuchen dieses Geheimnis nicht erfassen, aber ich werde ja auch nicht zum Auto, nur weil ich mich in einer Garage befinde.

Da stand ich nun ohne Konfession aber mit dem Samenkorn des neugewonnenen Glaubens im Herzen. Ich begann eigenständig in der Bibel zu forschen & lesen und mein Mann und ich hatten das Glück, viele Jahren an der Seite von Pastoren und anderen im Dienst Gottes stehenden Menschen lernen zu dürfen. Ich löcherte diese mit Fragen, das könnt ihr euch vorstellen, und die wichtigste Erkenntnis war die, dass Glaube aktiv ist und Gott in uns lebt und durch uns so viel bewegen kann und möchte. Aber ich lernte auch, dass es ohne Jesus nicht möglich ist, auf die Kraft Gottes in uns zugreifen zu können, denn Er ist der Schlüssel in der ganzen Geschichte.

Leider gibt es in Deutschland eine ganz tief verankerte Einstellung, dass es nur evangelisch, katholisch und „komisch“ gibt. Diese Einteilung in Konfessionen gab es damals zu der Zeit Jesu nicht, im Gegenteil, die Spaltungen und Zerwürfnisse haben wieder neue Regeln erschaffen, von denen uns Jesus eigentlich alle befreit hat. Wir sind doch eine seltsame Spezies. Da gibt es endlich eine perfekte Lösung und wir machen wieder Schritte rückwärts.

Gläubig aber nicht religiös

Und nun ungefähr 2018 Jahre später ist man auch dann nur in Deutschland ein wirklich ‘anerkannter’ Christ, wenn man eine gängige Konfession vorweisen kann. Meiner Meinung nach ist das aber momentan alles im Umbruch. Kirchen können nicht mehr nur mit Ritualen oder religiösen Inhalten überzeugen (Wichtige Anmerkung: Dies ist keine pauschale Verurteilung aller Kirchen. Es gibt so viele gute und lebendige christliche Gemeinden, vor allem die Freikirchen leisten eine enorm gute Arbeit!). 

Die einzelnen Menschen denken mehr nach und sind bereit, selbst auf die Suche nach Antworten in der Bibel zu gehen. Sie lassen sich nicht mehr aufhalten von lauwarmen Bekenntnissen oder Denkweisen wie „Das hat man in der Kirche immer schon so getan.“ Jesus war erfrischend unreligiös und war sich zu 100% der Kraft Gottes in sich bewusst. Er war eins mit dem Vater. Er ist mein großes Vorbild und wie töricht wäre ich, mich wieder von menschengemachten Stricken einfangen zu lassen.

Auch bemerke ich, dass der Name Jesus Stück für Stück verschwindet. Glaube Ja! Aber Jesus benötig man in ‘modernen’ Weltanschauungen nicht mehr. Was für eine Lüge des Teufels und bestimmter Organisationen, die systematisch versuchen, Jesus aus dem öffentlichen Bild verschwinden zu lassen (X-Mas anstatt Christmas usw.). Genau aus dem Grund bleibt dieser NewAge-Glaube fruchtlos und die Menschen leben ohne wirkliche Kraft.

Ich liebe es, eigenständig zu denken und vielleicht ist das auch der Grund, warum uns religiöse Systeme lange unmündig halten wollten: Sie haben Angst vor den Selbstdenkern! Erst in einer Umgebung, wo man das Denken schärfen kann wie ein Schwert, ist aktiver Glaube möglich. Dort können Wunder geschehen.

Lasst uns dafür sorgen, dass wir den Boden für diesen Glauben vorbereiten. Ich denke, es ist dringend Zeit.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich alles andere als ablehnend gegenüber gläubigen Gemeinschaften und Gottesdiensten bin! Mein größtes Gebetsanliegen ist es, regelmäßig in Gemeinschaft mit gleichdenkenden Christen Gottesdienst zu feiern. Im Alltag verbunden und hungrig nach Weisheit. Alleine kann man nicht wachsen und sich selbst lehren ist kaum möglich, denn man filtert automatisch immer, was man hören möchte, was jeder von Instagram kennt. Wie aber soll so Wachstum stattfinden?

Ich bin so so dankbar für Dein Interesse an diesem Thema, lass mich wissen, wenn es offene Fragen dazu gibt oder ich etwas unverständlich formuliert habe.

Jeder Leser dieses Beitrags ist ein Geschenk!! DANKE <3

Deine Jeannette

5 thoughts on “Mein Weg im Glauben”

  1. Liebe Jeannette,

    dein Beitrag hat mich sehr berührt. Ich befinde mich gerade in einer Lage, die deiner vor ein paar Jahren ähnelt. Deine Worte haben mir Mut gemacht, vielen Dank dafür!

    Lina

    1. Liebe Lina!!

      Danke für die liebe Rückmeldung! Ich fühle total mit Dir und hätte ich nicht selbst erlebt, dass sich alles zum Guten wendet, könnte ich auch nicht aus Überzeugung sagen, dass Du keine Furcht zu haben brauchst!

      Deine Jeannette

  2. Liebe Jeanette,

    vielen Dank für Dein offenes Bekenntnis zu Jesus!!! So wenig kommt sein Name heute in der Öffentlichkeit und in den Kirchen vor.
    Hast du inzwischen eine Gemeinschaft mit gleichdenkenden Christen gefunden?

    Blessings,
    Maria

    1. Liebe Maria,

      Deine Rückmeldung bedeutet mir soviel!! Danke, dass Du Dir dafür Zeit genommen hast,
      ja inzwischen habe ich eine tolle Gemeinde gefunden. Gott hört einfach jedes Gebet!

      Deine Jeannette

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