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Preisgestaltung: Diese 6 Tipps helfen Dir dabei, Kunstwerke richtig zu vergüten!

Preisgestaltung ist ein schweres Thema! Wie unsicher war ich am Anfang diesbezüglich und hatte große Angst, dass ein Kunde über den genannten Preis verärgert werden würde. Oder noch schlimmer – traurig. Sich ein Kunstwerk oder eine Dienstleistung nicht leisten zu können, brach mir das Herz. Da spielt ja auch etwas Menschliches mit und mir tat das immer Leid, was dann dazu führte, dass ich viele Ausnahmen *aka* schlechte Preise machte.

Nun, es ist einfach ein riesengroßer Unterschied, ob man von der Kunst vollberuflich lebt, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen und Gehalt abdecken möchte und muss, oder dies eben nur eine kleine Nebenbeschäftigung ist.

Im heutigen Blogpost gehe ich auf all diejenigen ein, die davon träumen, mit ihren Schriftstücken oder ihrer Kunst allgemein durchzustarten. Ich schreibe für jene Künstler, die gerne mehr von ihrer Lettering-Kunst verkaufen würden, und das zu guten Preisen. Die in ihrer Kunst kein Hobby mehr sehen, sondern eine Chance, davon leben zu können.

1. Kenne Deinen Stundenlohn und die tatsächliche Schaffenszeit

Dies ist enorm wichtig, um grob abschätzen zu können, was eine Anfertigung kosten wird. Gerade am Anfang habe ich immer gedacht, dass ich nur die Zeit berechnen dürfte, die ich an der Anfertigung selbst sitze, also schreibe, aber im Laufe der Jahre war mir klar, dass zu jedem Auftrag ein Prozess gehört, der ebenfalls in die Kalkulation miteinbezogen werden muss.

Gerade bei personalisierten Anfertigungen verbringe ich oft mehr Zeit damit, abzuklären, was ich realisieren soll, als später den Text von Hand zu kalligrafieren*. Diese Kommunikationskosten sind in meine Preise einberechnet, weswegen es einen Startpreis gibt, selbst wenn es ‘nur’ eine Postkarte ist.

Das Problem bei Letterings ist auch, dass der Kunde oft denkt, dass kleinere Formate günstiger wären, aber ob ich einen Spruch klein oder größer schreibe: Die Skizzen, das Layout, das Kalligraphieren des Textes, das Verpacken und der Weg zur Post sind deswegen nicht weniger.

Wer allein auf die handschriftlichen Kunstwerke setzt, muss realistisch Preise kalkulieren wie Handwerker. Oder Grafikdesigner. Jeder Installateur berechnet Material, Anfahrt und Beratung. Im Graphikdesign gibt es einen empfohlenen Stundenlohn, der einkalkuliert, dass der Designer viele Nebenkosten hat. Dieser liegt bei 90€ und diesen habe ich auch für mich übernommen, denn es gibt unglaublich viele Nebenkosten in der Selbstständigkeit. Unglaublich! Ich sag nur Steuern.

Ich kann sehr den AGD Vergütungstarif-Vertrag DESIGN empfehlen. Das Buch ist zwar nicht günstig, hat mir aber bezüglich Vergütung die Augen geöffnet. Es gibt tolle Beispiele und ich hatte damals auch endlich die Sache mit der Lizenz verstanden (Was tun, wenn der Kunde das Schriftstück in einem Magazin veröffentlichen möchte etc.).

*Anmerkung: Auch wenn Du in wenigen Minuten etwas schön schreiben kannst, mach Dir bewusst, dass Dich das Jahre an Training gekostet hat! Wie berechnest Du das?

2. Hab eine Grundgebühr bei Anfertigungen

Bei personalisierten Anfertigungen habe ich vor Jahren damit begonnen, mit einer Grundgebühr oder einem Startpreis zu arbeiten. Dieser erleichtert mir die Kommunikation und der Kunde weiß ziemlich schnell, ob er das Kunstwerk realisiert haben möchte. Diese Grundgebühr kannst Du bei der Preisgestaltung zu Beginn kleiner gestalten und im Laufe der Zeit anpassen, so würde ich das jedenfalls heute tun, wenn ich nochmal ganz am Anfang stehen würde, aber sie ist wichtig.

Erkläre dem Kunden, warum Du sie verlangst und sorge so für Verständnis, was alles zu einem Designauftrag dazugehört.

Mach Dir doch einmal den Spaß und dokumentiere zeitlich den ganzen Prozess eines Auftrages. Vom schriftlichen Erstkontakt via E-Mail bis zur Fahrt zur Post. Du wirst neu über Preisgestaltung nachdenken, das verspreche ich Dir.

Sei auch ehrlich zu Dir selbst, welche Aufträge generell nicht gut bezahlt werden (z.B. Grußkarten). Diese Dienstleistungen habe ich dann einfach nicht mehr beworben oder mich auf besser bezahlte Bereiche konzentriert.

Kleiner Tipp: Zeige auf Deiner Homepage und in den Sozialen Medien nur die Dinge, die Du auch verkaufen möchtest! Wenn Du mit einem gewissen Bereich unglücklich bist, z.B. der Hochzeitspapeterie, dann bewirb sie auch nicht. Besser: Du erweiterst Dein Portfolio auf Deiner Homepage, damit Du die Kunden bekommst, die Du erreichen möchtest, z.B. gut zahlende Firmenkunden oder Agenturen.

3. Setze auf Qualität anstatt Quantität

Inzwischen kommen auf 10 Anfragen 8 Absagen. Ich habe gelernt, dass das dazugehört. Dass ich nicht mehr traurig sein muss, wenn ein Kunde sich eine Dienstleistung (noch) nicht leisten kann. Für diese Fälle arbeite ich immer hart daran, dass es tolle Alternativen in meinem Shop gibt, z.B. Drucke!

Am Ende hat niemand etwas davon, wenn Du Dein liebgewonnenes Geschäft wieder schließen musst, weil es sich nicht rechnet. Wollen das Deine Kunden? Nein, dann wären nämlich sie traurig! Ich denke, dass Alternativen für die Kunden eine großartige Möglichkeit sind, Dein Herz zu beruhigen. Denke unbedingt über einen Shop nach! Weitere Einnahmequellen nehmen Dir den Druck, schlechte Preise machen zu müssen. Und wenn dies für Dich bedeutet, wieder einen Nebenjob anzunehmen.

Aus eigener Erfahrung: Eine Zeit lang macht es Dir womöglich nichts aus, schlecht bezahlt zu werden, aber irgendwann verlierst Du die Lust an der Kunst, wenn sie nicht entlohnt wird. Lieber mache ich mit Begeisterung wenig gut bezahlte Projekte oder Kurse, als viele Kunden zu haben und auszubrennen. Ich hätte ehrlich gesagt kein Problem damit, in meinen alten Beruf in Teilzeit zurückzugehen, wenn dies bedeuten würde, dass ich meine Kunst angemessen und würdig verkaufen könnte. 

4. Beachte Lizenzen bei der Preisgestaltung

Lizenzen sind eine ganz eigene Welt und werden dann interessant, wenn Du nicht nur mehr Privatkunden hast, sondern auch Gewerbekunden, z.B. wenn Du ein Logo anfertigst. In diesem Fall berechnest Du Deine Designleistung + die dazu gehörige Lizenz. Du kannst Dich bei den Lizenzen auch nach dem AGD Vergütungstarif-Vertrag DESIGN richten, das hat mir enorm geholfen. Zudem ist der Punkt Lizenz eine tolle Möglichkeit, den Preis nach oben oder unten anzupassen. Wenn ein Kunde z.B. einen digitalen Schriftzug zu teuer findet, könntest Du einfach die Lizenz weniger umfangreich machen, z.B. dem Kunde anzubieten, den Schriftzug deutschlandweit für 2 Jahre verwenden zu dürfen – nur für ein bestimmtes Produkt, z.B. dem Druck auf eine Postkarte. Arbeite so früh wie möglich mit Lizenzen, denn das sichert Dich auch rechtlich ab.

Wusstest Du: Lizenzen musst Du nur mit 7% besteuern, weswegen eine Trennung auf der Rechnung in Designleistung und Lizenz Dich weniger Steuern zahlen lassen!

5. Exklusivrechte vergüten

Für Künstler, die schon ein großes Portfolio haben und auf zahlreiche Arbeiten zurückgreifen können, mag dieser Punkt vielleicht weniger wichtig sein, aber gerade wenn jemand wie ich davon lebt, dass Arbeiten in den Sozialen Medien gezeigt werden und auch der Arbeitsprozess für meine potentielle Kunden spannend zu betrachten ist, dann ist dieser Punkt von hoher Bedeutung. Ich kenne Fotografen, die davon berichten, wie traurig sie darüber sind, die schönsten Hochzeiten nicht zeigen zu dürfen. Natürlich ist das das gute Recht der Kunden, aber genau dieser Punkt muss einfach bedacht und im Vorfeld besprochen bzw. in die eigene Kalkulation miteinbezogen werden.

Wird bei mir z.B. kein Exklusivrecht vereinbart, nehme ich es mir heraus, die Arbeiten bzw. Bilder der Arbeiten für Portfoliozwecke oder via Social Media zu teilen. Dies kann auch schon im Entstehungsprozess der Fall sein, z.B. während den Skizzen für Hochzeitseinladungen. Soll dies unterbunden werden, dann vergüte ich diese besondere Vereinbarung (Das Copyright liegt weiterhin bei mir, aber ich teile die Anfertigungen nicht via Social Media oder anderen Wegen) mit einem Zuschlag.

Gerade zu Beginn lebt Dein Geschäft davon, Projekte zeigen zu dürfen. Erkläre das Deinem Kunden, wenn er nicht will, dass Du das Kunstwerk in der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Dieses englische Buch von Molly Super Thorpe kann ich von Herzen empfehlen! Es hat mir nicht nur einmal die Augen geöffnet.*

6. Definiere Deine Tagespauschale

Dieser eine Tipp, eine Tagespauschale zu definieren, hat meine Preisgestaltung komplett verändert! Auf einmal konnte ich komplizierte Projekte viel besser einschätzen und diese Anregung stammte von einer Kreativagentur (Die mich damals 2015 ermahnte und sagte, ich sei viel zu günstig, der Kunde würde mich so nicht ernst nehmen! *Hieb ins Gesicht). Du siehst, ich bin durch alle Phasen durch. Seitdem kalkuliere ich Events und größere Projekten oft in Tagespauschalen, denn das macht die ganze Kalkulation für alle Beteiligten unkomplizierter. Bei einem Event ist es eh der Fall, dass ich den ganzen Tag im Kalender für den Kunden blockieren muss, ob ich “nur” für 2 Stunden Weihnachtskugeln mit der Feder beschrifte oder einen 6 stündigen Kalligrafieworkshop veranstalte. Der Tag ist verbucht und die Vorbereitung und Nachbereitung ist in beiden Fällen Teil des Tages.

Natürlich ist mir bewusst, dass es einen ganz großen Unterschied macht, ob man hauptberuflich in der Kalligrafie beschäftigt ist oder nur hier und da Anfertigungen im kleineren Stil herstellt. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welches Einkommen er benötigt, um die laufenden Kosten decken zu können und um am Ende des Tages glücklich mit der eingebrachten Leistung zu sein. Das ist ein Prozess!

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