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Es war im letzten Winter. Eine meiner besten Freundinnen besuchte mich in der verschneiten Heide und wir brachen auf zu einer kleinen Wanderung im Moor. Umgeben von Schnee und dumpfer Stille sprachen wir von Mut, von Zielen und Ängsten. Von Hoffnungen und Zweifeln, von Gott und Seinen Wegen. Wir hatten diese Träume im Herzen und alles, was wir bis dahin mit Liebe gepflanzt hatten, schien so winzig.

In diesem Moment sitze ich unter einer warmen Decke auf unserer Baustelle, bereit, nächste Woche in die neuen Räume einzuziehen, um das Jahr 2016 mit offenen Armen begrüßen zu können. Wieder bin ich hoffnungsvoll. Wieder öffne ich eine neue Tür, möchte aber nicht weitergehen, bevor ich diese Zeilen an Dich gerichtet habe. Mögest Du aus meinem kleinen Jahresrückblick gestärkt hervorgehen und anders über Deine Herausforderungen nachdenken. In Dir steckt so viel. Viel mehr, als Du denkst – ja weit mehr, als Du es jetzt gerade begreifen kannst. Mach Dich bereit, dass diese Schätze an die Oberfläche kommen.

Was würde ich mir also selbst sagen, wenn ich zurückgehen könnte an diesen Wintertag vor einem Jahr, wenn ich mich an die Hand nehmen könnte und die Möglichkeit hätte, aus meinen Erfahrungen zu berichten?

Ich würde mir sagen, dass alles, was ich im Herzen sehen und glauben kann, Wirklichkeit wird. 

Letztes Jahr wusste und lebte ich auch schon nach diesem Grundsatz, aber es ist dennoch ein Unterschied, wenn man die Samen, die man im Glauben gesät hat, wachsen und die ersten Pflanzen aus dem Boden sprießen sieht. Mein Jahr 2015 war ein Jahr, an dem das Unsichtbare sichtbar geworden ist. All die Träume im Herzen, ein eigenes kleines Geschäft führen zu dürfen, in dem ich mit meiner Kreativität anderen Menschen dienen kann, wurden greifbar und für die Augen sichtbar. Wer mich schon lange kennt, weiß, dass ich bereits 2009 mit geringem Erfolg begonnen hatte, zu bloggen und selbstentworfene Schmuckstücke zu verkaufen. Ich hatte dieses Bild im Herzen, Dinge zu entwerfen, aber ich wusste nicht wie, hatte keinerlei Erfahrung und manchmal wollte ich alles hinwerfen. Ich hatte nur eines, ein Bild im Herzen von meiner Zukunft und diesen Schatz habe ich nicht aufgegeben. Ich sah es mit meinen inneren Augen und durfte nun erleben, wie Gott Wege gefunden hat, diese Bilder zu verwirklichen.

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Ich würde mir sagen, dass nicht Perfektion die großen Durchbrüche bringt.

All meine Werke wären nicht da, wenn ich meinem Drang nach Perfektion nachgegeben hätte. Es ist ein großer Kampf. Ich will ganz ehrlich mit Dir sein, denn nur daraus kannst Du am besten lernen. Es ist ein RIESIGER Kampf. Ich habe diese Bilder in meinem Kopf, aber dann nachher auf dem Papier sieht es nicht genau so hübsch aus wie in meinen Gedanken. Ich sehe meine Vorbilder, deren Werke, deren Durchbrüche und schlage entmutigt mein Macbook zu. Ich weiß, welche Fähigkeiten und technischen Mittel ich noch nicht habe und denke, dass die Arbeit dann auch nicht so gut sein kann. Gift. Pures Gift sind solche Gedanken. Denn mit dem Mut, mit dem ich mit meiner Arbeit an die Öffentlichkeit ging, kamen wertvolle Menschen in mein Leben. Und mit den Menschen kamen Beziehungen, die mir Türen geöffnet haben. Unfassbare Türen wie CD-Covers, Magazinveröffentlichungen, Kooperationen mit Top-Fotografen oder Werbeagenturen. Es ist nicht zu glauben, aber es ist wahr. Meine für mich unperfekten Werke sind nun veröffentlicht und … ich musste lernen, weniger streng mit mir selbst zu sein. Hätte ich das nur früher verinnerlicht. Heute gebe ich mein Bestes, sehe die vor mir liegende Arbeit und sage: „Das ist gut so. Das bin ich. Vielleicht könnte ich es in zwei Jahren besser, aber wenn ich es jetzt nicht abschließe, bin ich in zwei Jahren nirgendwo.“

Fang mit dem an, was Du hast. Wenn es ein alter Laptop ist, mit dem Du Deinen ersten Fotos bearbeitest oder Du bis heute noch keine Berufsausbildung hast in dem Feld, in dem Du so gerne tätig sein willst, dann gib nicht auf. Jeder einzelne Durchbruch entstand aus einer Beziehung heraus und nicht aus dem perfekten Talent. Sicherlich ist es eine meiner größten Aufgaben, besser zu werden, mir Wissen anzueignen oder professioneller zu denken, aber es ist nicht die Perfektion. In der Bibel steht, dass Gott Seinen Kindern Gunst schenkt. Gunst ist nicht fair. Gunst kann man nicht erzwingen. Aber es steht auch darin, dass wir unsere Talente gebrauchen sollen. Anfangen. Losgehen. Beginnen. Machen. So ist Sein Plan. Und in diesem Vertrauen, wirst Du Seine Gunst erleben.

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Ich würde mir sagen, dass ich mich auf das Unmögliche vorbereiten soll.

Nein. Jetzt kommen nicht die schönen Dinge, die man für unmöglich gehalten hätte. Es sind die Erfahrungen, die man am liebsten nicht teilen möchte, weil sie unfassbar weh tun. Der plötzliche gleichzeitige Tod meiner Großeltern, der die Arbeit für Wochen fast unmöglich gemacht hat und das Wegbrechen von vertrauten Menschen, die man mehr als geliebt hat. Beides habe ich dieses Jahr erlebt und ich weiß nicht, wie ich durch diese Erfahrungen gehen konnte, ohne daran zu zerbrechen. Ich schrie zu Gott und bin bis heute auf der Suche nach Antworten, weiß aber auch, dass Er mich nicht alleine durch diese Zeit gehen lässt. Du magst Dich fragen, wie man sich im Voraus darauf vorbereiten kann, mit solchen Verlusten umzugehen und ich habe nur eine einzige Antwort darauf: Festige Dein Fundament. Wer bist Du? Wer bist Du wirklich? Was sind Deine Werte? Bist Du bereit, dafür zu kämpfen? Wem dienst Du? Von wessen Bestätigung bist Du abhängig? Wer interessiert sich aufrichtig für Dich? Wer genießt Deine Gegenwart? Es werden Menschen aus Deinem Leben treten, Menschen von denen Du gedacht hast, das sie gerade in Zeiten der Durchbrüche an Deiner Seite gehen würden. Mit Dir feiern. Mit Dir trauern. Aber dem ist nicht so. Und das schmerzt. Feiere ich trotzdem? Ich denke, es ist meine Pflicht, in Dankbarkeit durchs Leben zu gehen, was auch bedeutet, die Wahrheit und neue Erkenntnisse, die man gewinnt, zu feiern.

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Ich würde mir sagen, dass es meine größte Aufgabe ist, Menschen zu lieben. Danach kommt das Geschäft. 

In all den letzten Monaten ist mir eines klar geworden. Es gibt einen Beruf und es gibt DIE Berufung. Mein Beruf ist vielleicht das Pflegen von Menschen oder das Entwerfen von Logos, was ich beides leidenschaftlich gerne mache. Ich besitze handwerkliche Fähigkeiten und Talente, aber all diese sind lediglich ein Teil des großen Bildes, das Gott von mir gemalt hat. Dieses Bild ist geprägt von einer Kernbotschaft  … „Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Deine Berufung ist mehr, als ein Talent. Deine und meine Berufung ist so einfach. Unsere Berufung ist es, zu lieben. Denn was wäre meine Kunst ohne Menschen, die sie berührt? Was wären meine Hände ohne jemanden, dem ich sie reichen kann? Was wäre ein Geschäft ohne Kunden? Was wäre mein Leben ohne Beziehungen?

Diese Prioritäten sind so wichtig, wenn Du ein kleines Geschäft gründen möchtest, denn sie machen Dir immer klar, um was es geht. Ich kann ganz anders mit Menschen kommunizieren und zusammenarbeiten, wenn ich sie nicht als Kunden sehe, sondern als Teil eines Auftrages: Menschen zu lieben, Beziehungen aufzubauen, Samen in die Herzen zu pflanzen. Vielleicht habe ich schon Kunden verloren, weil ich ehrlich war und gesagt habe, dass ein anderer Dienstleister die bessere Lösung für sie wäre, aber ich habe die Beziehung nicht verloren, weil ich ehrliche Worte sprach und deren Interessen in den Vordergrund gestellt habe. Ich bin nicht traurig über einen verlorenen Auftrag, aber ich bin traurig, wenn ich Dir nichts mehr zu geben habe, denn ich sehe mich als eine Ermutigerin.

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Ich würde mir sagen, dass ich mehr Pausen benötige.

Bitte? Was ist eine Pause? P. A. U. S. E. … nur für mich langsam buchstabiert. Aber wie bekomme ich mehr Pausen? Ich muss doch meine Möglichkeiten nutzen? Da wären wir wieder bei der Perfektion – nämlich meinem Bild von der ‚perfekten Jeannette‘, die es allen recht machen möchte. Unsere Großbaustelle hat mich an meine völlige Belastungsgrenze gebracht und ich musste unfreiwillig lernen, Nein zu sagen. Nein zu Aufträgen, die ich nicht hätte leisten können, Nein zu der Chance, interessante Menschen kennenzulernen und Nein, zum Internet. Gerade der letzte Punkt ist der Punkt, den ich vor einem Jahr noch unterschätzt habe. Die Angst, etwas im Internet auf Netzwerken wie Instagram und Co. zu verpassen,  führte  dazu, dass ich am Ende eines Tages mehr Zeit online verbrachte, als ich für die Seele und den Geist investiert habe. Inspiration ist unendlich wichtig, deswegen liebe ich diese Möglichkeiten der heutigen Zeit, aber ich muss auch ehrlich zu mir sein, wann es zuviel ist. Ich hätte mir gesagt, dass es in Ordnung ist, wenn ich nicht alles mitbekomme (Hallo?! Als würden wir das jemals schaffen!), es ist in Ordnung, wenn ich meine schönen und traurigen Momente mal nicht teile. Es ist in Ordnung, wenn ich nicht erreichbar bin und es ist auch in Ordnung, wenn ich ein HALBES JAHR keinen Blogeintrag mache! Puh. Das muss ich mir gerade wirklich sagen. Und Du bist trotzdem da. Liest trotzdem – oder gerade deswegen, weil das ich bin.

Für den nächsten Monat wünsche ich Dir die Pausen, die Du dringend benötigst. Den Mut, Dir Zeit zu gönnen und Dich auf das Wichtige zu besinnen. Trink Deinen Kakao in aller Stille und denk dann an mich. Ich brauche Deine Gebete.

FROHES FEST, FROHE ADVENTSTAGE.

Liebst, Jeannette

PS: Als Geschenk für Deine Treue und Deinen Besuch auf meiner Seite habe ich einen FREE-DOWNLOAD für Dich, nämlich das kalligrafierte Gedicht ‚Weihnacht‘ / PDF / Format DIN A4

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Fotografie: Hanna Rückert 

Weihnacht

 

 

12 thoughts on “Was ich mir vor einem Jahr gesagt hätte”

  1. Wow, das ist ein wunderschöner Beitrag, Du Liebe!
    Du hast so Recht mit allem, was Du schreibst. Ich weiss das und versuche auch jeden Tag mehr, diese Sicht auf die Dinge zu festigen. Dass sich Wege finden und unerwartet auftun, wenn man an seinen Träumen festhält, nicht loslässt, weitermacht, fest glaubt und es genau vor sich sieht. Alles ist möglich.
    So vieles, was wir noch nicht wissen und sehen.
    Möge Dir ein weiteres wundervolles Jahr mit schönen Erfüllungen bevorstehen :-).

  2. Meine liebe Jeannette,
    vielen Dank für diesen schönen Post :)) Das hast du sehr schön und treffend geschrieben.
    Und….ja man spürt deine Liebe und die Leidenschaft mit der du deine Berufung ausübst,
    ich habe es gespürt 🙂
    Ich bin dir sehr dankbar für deine ermutigen und ehrlichen Worte, deine Ratschläge und deine Liebe, immer wieder.
    Ich denk an dich!
    Wünsche dir eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit.
    Herzlichst Tania

  3. Liebe Jeannette,

    Deine Worte haben mich bis Innerste berührt. Deine Liebe zu dem was Du tust und die Liebe die Du ausstrahlst sieht und spürt man. Du inspirierst und machst Mut! Danke von Herzen …schön Dich kennengelernt zu haben. Hab eine wunderschöne, mit genügend Pausen zum Auftanken, Adventszeit in Eurem neuem Heim.

    Von Herzen alles Liebe für Dich
    Sandra

  4. Liebe Jeannette,

    wir kennen uns über Instagram, aber ich war noch nie hier, auf deinem Blog.
    Durch deinen Kommentar zu meinem letzten Bild bin ich mal wieder auf deinem Profil hängen geblieben und habe spontan auf deinen Link geklickt.
    Ich glaube, Gott hat mich hierher geschickt. Gerade gestern habe ich einen eigenen Blogartikel vorbereitet, indem ich eine Pause ankündige und über meine Schwierigkeiten spreche, Dinge einfach zu tun, ohne Angst vor dem Scheitern zu haben. Und über meinen Wunsch, dem Perfektionsdruck zu entkommen. Auch die Predigt am Sonntag drehte sich um dieses Thema.
    Mit deinem Text sprichst du mir aus der Seele!
    Danke!

    1. Liebe Pepper,

      wie schön, dass Du hierhergefunden hast. Ja, manchmal liest man das richtige Wort zur richtigen Zeit. Durch unseren Umzug sind die letzten Monate nur so an mir vorbeigerast und ich musste mich richtig
      dazu zwingen, einen Gang rauszunehmen. Wenn Du das Geheimnis der Balance herausgefunden hast, musst Du es unbedingt mit mir teilen. Überhaupt scheinst Du so vertraut, obwohl wir uns ja eigentlich gar nicht kennen.
      Deine Worte haben mich sehr gesegnet und ich wünsche Dir und Deiner sympathischen Familie eine schöne Weihnachtszeit <3 Deine Jeannette

  5. Wow … was für ein toller Beitrag
    Ich bin gerade zufällig darüber gestolpert und er hat mich genau da abgeholt, wo ich gerade bin.
    Vielen, lieben Dank für so offene und inspirierende Worte.
    Alles Gute für dich
    Bianka

  6. Sehr schön geschreiben! Alles Liebe für dich. Wir würden auch gerne diese schöne Schreibweise lernen 🙂 LG, Kitti

    1. Liebe Kitty,

      vielen lieben Dank für die Rückmeldung! Wenn Du magst, nehme ich Dich gerne in meinen Newsletterverteiler auf, dann bekommst Du immer alle aktuelle Informationen zum ‚Schönen Schreiben‘.

      Deine Jeannette

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